Bedingt durch die teils turbulenten geopolitischen Entwicklungen in den vergangenen Monaten ist die nachhaltige Transformation in der öffentlichen Wahrnehmung ein Stück weit in den Hintergrund gerückt. Dabei hat sich an der Bedeutung dieses Themas als eine wesentliche Herausforderung für unsere Gesellschaft nichts geändert.
Entsprechend haben die Maßnahmen der rheinischen Sparkassen zur Transformation weiter Fahrt aufgenommen. Die ProEco Rheinland als gemeinsames KompetenzCenter für Nachhaltigkeits-Services bietet inzwischen ihre Dienste an. Für ein Zwischenfazit ist es sicherlich noch etwas früh. Schließlich benötigen Themen wie die Implementierung des Nachhaltigkeits-Tools nawisio in einem Unternehmen ihre Vorlaufzeit.
Zur Nachhaltigkeitsberatung insgesamt erleben wir in unserem Firmenkundengeschäft derzeit ein vorsichtiges Interesse, gepaart mit einem gespannten Abwarten, ob die in Aussicht stehenden regulatorischen Erleichterungen aus der Omnibus-Initiative der EU-Kommission tatsächlich umgesetzt werden.
Gleichwohl: Erste Kontakte zur ProEco werden vermittelt, und dort finden vielversprechende vertiefende Gespräche statt. Die frühe Saat für eine künftige Ernte ist also gelegt. Insofern werbe ich sehr dafür, die Leistungen der ProEco weiter proaktiv in den Kundengesprächen zu platzieren – zumal die Angebotspalette nun mit der Zuschussberatung und den Schulungsangeboten noch breiter aufgestellt ist.
Ganz entscheidend für ein Gelingen der Transformation bleibt deren Finanzierung. Hierfür ist der bei vielen Sparkassen erfolgte Start des S-Transformationskredits ein wichtiges Signal. Während dieser Kredit für rund 170 nachhaltige Zwecke eingesetzt werden kann, verproben einige Projektsparkassen bereits den S-ESG-Linked Loan. Damit wird auch ein Instrument für die allgemeine Unternehmensfinanzierung ohne konkreten Verwendungszweck geschaffen, das die nachhaltige Ausrichtung unterstützt.
Während der Praxisvalidierung werden mit einem ausgewählten Kundenkreis mögliche KPIs festgelegt – auch dies unterstützt durch die Expertise der ProEco – und in Form von Covenants vereinbart. Ziele können zum Beispiel reduzierte Verbräuche oder ein erhöhter Absatz von Bioprodukten sein. Die Erreichung dieser Ziele wird mit einem bevorzugten Zins belohnt. Die nachhaltigere Ausrichtung des Unternehmens bedeutet somit also zugleich eine Senkung der Finanzierungskosten. Mit diesen Hebeln und seiner flexiblen Verwendungsmöglichkeit bietet der S-ESG-Linked Loan sowohl dem Unternehmen als auch den Sparkassen ein erhebliches Potenzial.
Ein solch komplexes Beratungsfeld bedarf engagierter Menschen im Vertrieb – die haben wir – und einer besonderen Kompetenz. Dafür bieten die Sparkassenakademien das „Zertifikatsprogramm Sustainable Finance“. Bei inzwischen allein bei der Kreissparkasse Köln über 300 auf diesem Weg weiterqualifizierten Beraterinnen und Beratern haben wir mit diesem Bildungsangebot sehr gute Erfahrungen gemacht.
Nicht nur im Verhältnis zur Kundschaft, auch hinter den Kulissen geht es voran auf dem Entwicklungspfad zu mehr Nachhaltigkeit: In einem Projekt hat eine Gruppe rheinischer Sparkassen gemeinsam die finanzierten Emissionen für alle sieben Assetklassen nach dem internationalen Standard PCAF (Partnership for Carbon Accounting Financials) berechnet. Resultate der einheitlichen Vorgehensweise sind eine höhere Datenqualität und eine bessere Vergleichbarkeit.
Dass Emissionen bereits im Entstehen vermieden oder zumindest reduziert werden, ist das Ziel eines Wettbewerbs, der mir besonders am Herzen liegt. So hat die Kreissparkasse Köln in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitspreis ausgeschrieben, der mit 100.000 Euro für Vereine und zusätzlich Preisen im Wert von 84.000 Euro für Betriebe dotiert ist.
Rund 170 Organisationen haben unter dem Motto „Wir gemeinsam fürs Klima“ ihre Ideen zur CO2-Reduzierung vorgestellt. Über die Vergabe eines Großteils der Preise haben die Bürgerinnen und Bürger in einem Online-Voting entschieden. Mit über 31.000 abgegebenen Stimmen verzeichnete der Wettbewerb eine erfreuliche öffentliche Beteiligung.
Dem eindrucksvollen nachhaltigen Engagement vor Ort eine Plattform zu bieten – auch das kann zur breiteren Akzeptanz nachhaltigen Denkens und somit zum Gelingen der Transformation beitragen.