Verstehen und Voranbringen

Nachhaltig­keit wird lokal

Alexander Wüerst

Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln und Landesobmann der rheinischen Sparkassen

Gemeinsam von Kundenseite gedacht:
Ein regionales Ökosystem für Nachhaltigkeits-Services entsteht

„Verstehen. Verbinden. Voranbringen.“ ist das Leitmotto dieses Jahresberichts des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands. In dessen Zentrum – beim Verbinden – liegt sozusagen die Drehscheibe zu den Sparkassen. Denn wenn es darum geht, was es benötigt, um die Sparkassen voranzubringen – aus welchen Verbindungen ließe sich ergiebiger schöpfen als aus denjenigen zu den Mitgliedssparkassen selbst?

So entstehen viele Ideen, welche auf die Sparkassen als verlässlichen Heimathafen für ihre Kundinnen und Kunden einzahlen, in Gremien, Arbeitskreisen oder Projektgruppen unter dem Dach des RSGV. Ein aktuelles Beispiel, das im Rheinischen Obleuteausschuss angeschoben wurde, möchte ich gerne vorstellen:

Ein Ausgangspunkt für Ideen sollte die Frage sein, an welchen Stellen neue Bedarfe seitens der Kundinnen und Kunden entstehen. Dazu zählt zweifelsfrei das weite Feld der Nachhaltigkeit. Auch wenn immer wieder aktuelle Entwicklungen wie die Pandemie oder der Krieg in der Ukraine dieses Thema kurzzeitig aus dem Fokus drängen, und auch wenn es infolge aktivistischer Initiativen oder politischer Gesetzesvorhaben mitunter kontrovers in der Bevölkerung diskutiert wird – dies alles ändert nichts daran, dass Nachhaltigkeit eine zentrale Herausforderung für unsere globale Gesellschaft bleiben wird und das Leben eines jeden Einzelnen verändert.

Dort, wo die Veränderung letztlich ankommt, vor Ort beim Privatkunden oder bei der Unternehmerin, dort sind auch wir Sparkassen und haben den Anspruch, unsere Kundschaft verlässlich zu beraten und zu begleiten – eben weil’s um mehr als Geld geht.

So ist die Idee entstanden, unter dem Dach des RSGV ein regionales Ökosystem zu schaffen, das die Sparkassen in die Lage versetzt, ihren Privat- und Firmenkundinnen und -kunden mit regionalen Partnern Services rund um Nachhaltigkeit anzubieten.

Im Rahmen einer Vor-/Machbarkeitsstudie wurden vier Handlungsfelder identifiziert, welche das regionale Ökosystem zum Start bedienen soll.

Vier Handlungsfelder für das regionale Ökosystem

1.
Zwanzig Prozent aller Hauseigentümerinnen und -eigentümer planen in den nächsten fünf Jahren eine energetische Sanierung. Dabei nehmen die gesetzlichen Anforderungen an Immobilienbesitzerinnen und -besitzer zu, doch gleichzeitig wächst die Zahl der Förder- und Zuschussangebote. In dieser Gemengelange möchten wir niederschwellig und gegebenenfalls sogar selber eine Energieberatung etablieren, damit Immobilienbesitzerinnen und -besitzer gut unterstützt und vorbereitet Entscheidungen treffen und staatliche Förderungen bestmöglich einbinden.

2.
Firmenkundinnen und -kunden sehen sich mit wachsenden regulatorischen Anforderungen bei der Messung ihres CO2-Fußabdrucks konfrontiert. Dies fordert insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sehr. Die Sparkassen können beim Erstellen der notwenigen Reportings unterstützen und diese gegebenenfalls in ihre Kreditprozesse integrieren.

3.
Eine nachhaltige Unternehmensführung ist einer Umfrage zufolge für über 80 Prozent unserer Mittelstandkundschaft wichtig. Doch fehlt es häufig noch am Bewusstsein dafür, was Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen bedeutet. Sparkassen können hier eine Nachhaltigkeitsbewertung vornehmen und so Verbesserungspotenziale aufzeigen. Zugleich können sie Schulungen und für Mitarbeitende ihrer Firmenkundschaft anbieten, um deren Kompetenzen rund um Nachhaltigkeit zu schärfen.

4.
Rheinische Sparkassen-Firmenkundinnen und -kunden müssen bis 2030 jährlich mehr als 15 Mrd. Euro zur Erreichung der gesetzlichen Klimaziele investieren. Es gibt dafür bereits viele Fördertöpfe – allerdings herrscht nicht in jedem Unternehmen eine Transparenz darüber. Zudem werden stetig neue Förderprogramme erwartet. Die Sparkassen zeichnen sich bereits heute durch ein starkes Fördergeschäft aus. Es liegt daher nahe, die Unternehmen noch umfassender und strukturiert bei der Auswahl und Beantragung künftiger Fördermittel zu unterstützen.

All diese Handlungsfelder sind von Kundenseite gedacht und fußen daher auf Verstehen. In der Arbeitsgruppe traten rheinische Sparkassen miteinander in Verbindung und skizzierten zum Bedarf eine Idee. Um die Sparkassen voranzubringen, gilt es nun, das regionale Ökosystem weiter mit Leben zu füllen. Deshalb beschäftigen sich die rheinischen Sparkassen aktuell damit, diese Services in einer gemeinsamen Gesellschaft zu bündeln und abgestimmt mit in der Sparkassen-Finanzgruppe oder in einzelnen Regionen schon vorhandenen Angeboten schnell verfügbar zu machen.

Alexander Wüerst in seinem Büro

Den Kundinnen und Kunden gibt das regionale Ökosystem Lösungen für relevante Fragestellungen der Gegenwart an die Hand. Für die Sparkassen zahlt es auf die Kundenbindung ein. Zudem bietet es die Chance auf zusätzliche Erlöse durch Service- und Finanzierungsangebote und ist damit auch wirtschaftlich sinnvoll. Wir sind daher überzeugt, dass hier ein bedeutender Mehrwert für Kundschaft und Sparkassen entsteht, bei dem es sich lohnt, von Beginn an dabei zu sein.