Voranbringen
Geschäfts-
entwicklung
2022
Thomas Pennartz auf der Jahrespressekonferenz des RSGV
Die Geschäftsentwicklung der rheinischen Sparkassen 2022
Die rheinischen Sparkassen verzeichneten im Jahr 2022 trotz herausfordernder Rahmenbedingungen erneut ein gestiegenes Kredit- und Einlagevolumen und haben ihr operatives Ergebnis deutlich verbessert. Die Bilanzsumme der 28 rheinischen Sparkassen stieg in 2022 um 0,7 % auf 190,4 Mrd. Euro.
Was macht die rheinischen Sparkassen Ende des Jahres 2022 aus?
- Sie bilden die größte kreditwirtschaftliche Gruppe der Region.
- Sie verwalten 4,9 Millionen Giro-Konten der Rheinländerinnen und Rheinländer.
- Sie beschäftigen rund 24.700 Menschen, davon knapp 1.500 Auszubildende.
- Sie versorgen ihre Kundschaft mit 138 Mrd. Euro an Krediten.
Das in sie gesetzte Vertrauen spiegelt sich in 147,5 Mrd. Euro Einlagen wider. Die Sparkassen im Rheinland stehen zu ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag: Fast 460 Mio. Euro fließen als Bürgerdividende durch Steuern, Ausschüttungen und Spenden in die Region. Rund 47.000 Konten führen sie für Geflüchtete aus der Ukraine.
Welche spezifischen Entwicklungen sind erkennbar?
Die Zeitenwende brauchte die Zinswende. Mitte 2022 hat die EZB reagiert, wenn auch sehr spät. Das Ergebnis: Die Zinsen steigen an. Nach Jahren des Rückgangs ist somit auch der Zinsüberschuss der rheinischen Sparkassen im Jahr 2022 deutlich gestiegen. Da auch der Provisionsüberschuss weiterhin eine positive Entwicklung nimmt und Personal- und Sachaufwendungen im Jahr 2022 stabil blieben, erzielten die rheinischen Sparkassen ein deutlich besseres Betriebsergebnis vor Bewertung als 2021.
Der Korrekturbedarf bei Unternehmenskrediten blieb im Jahr 2022 in Rahmen, die rheinische Wirtschaft zeigt sich einmal mehr krisenresistent. Die reale Lage war besser, als die Prognosen noch im Frühjahr des Jahres 2022 befürchten ließen.
Allerdings hatte die hohe Inflation auch Auswirkungen auf das Kreditgeschäft mit Firmenkundinnen und -kunden. Indem die Kosten der Unternehmen für Produktion und Betriebsmittel stiegen, stieg auch der Kreditbedarf. Das Kredit-Neugeschäft der rheinischen Sparkassen bei Unternehmenskrediten legte 2022 deutlich zu.
Die Dynamik bei der Geldvermögensbildung der Privatkundinnen und -kunden hat sich im Vergleich zum Vorjahr abgeschwächt. Trotz aller Unsicherheiten und zusätzlichen Belastungen für die Menschen im Rheinland wird aber weiter gespart. Auch am Ende des Jahres 2022 ist der Einlagenbestand der rheinischen Sparkassen gewachsen – wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren.
Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten war im Jahresverlauf deutlichen Schwankungen unterworfen. Gerade zu Beginn des Jahres hat mit der Aussicht auf steigende Zinsen das Neugeschäft noch einmal kräftig angezogen. Dieser Trend hat sich im zweiten Halbjahr 2022 umgekehrt. Das Kreditneugeschäft mit Privatpersonen im Wohnungsbau ist im Dezember 2022 auf rund die Hälfte zurückgegangen.
Unter dem Strich bleibt ein Bilanzgewinn von knapp 240 Mio. Euro. Die gewinnabhängigen Steuern stiegen auf 323,2 Mio. Euro, davon 158,8 Mio. Euro Gewerbeertragsteuer, die den Kommunen unmittelbar zufließt.
Diese insgesamt guten Zahlen in Zeiten der Krise dokumentieren, dass sich das Geschäftsmodell der regional fokussierten öffentlich-rechtlichen Sparkassen einmal mehr als resilient bewiesen hat.
Allerdings wissen wir auch, dass auch unabhängig von den aktuellen krisenhaften Zuspitzungen weiterhin große Herausforderungen vor uns liegen:
- Das Verhalten der Kundinnen und Kunden hat sich spürbar verändert.
- Die Erwartungen bezüglich digitalisierter Dienstleistungen werden immer größer.
- Das Thema Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Punkt geworden, nicht zuletzt durch die notwendige und geforderte Transformation der Wirtschaft.
- Die europäische und die nationale Politik sowie die Aufsicht sehen weitere regulatorische Anforderungen vor, die es zu erfüllen gilt.
- Immer neue Anbieter mit neuen Strukturen kommen auf den Markt – und werden insbesondere für regionale Banken zu Wettbewerbern.
- Zudem fordert die demografische Entwicklung eine große Kraftanstrengung, um junge Menschen für einen Job oder eine Ausbildung bei der Sparkasse zu begeistern.
Die Sparkassen stellen sich diesen Aufgaben und sie tun dies auf einer stabilen Kapital-Basis, einem funktionierenden Geschäftsmodell und einem in den zurückliegenden drei Jahren gewachsenen und bewährten Krisen-Know-how.
Kommen wir zu den Zahlen in 2022 im Einzelnen:
Im Kundenkreditgeschäft verzeichneten sie erneut ein kräftiges Plus. Das Kreditvolumen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Mrd. Euro oder 3,9 % auf 138,0 Mrd. Euro (2021: +3,6 %). Kredite an Unternehmen und Selbstständige erwiesen sich als Träger des Kreditwachstums. Der Bestand der Kredite an Privatpersonen erhöhte sich in 2022 um 1,9 Mrd. Euro oder 3,5 % auf 56,2 Mrd. Euro (2021: +5,4 %). Das Kreditwachstum wurde vor allem gestützt von der bis in das zweite Quartal hineinreichenden stabilen Kundennachfrage und ging wie bereits in 2021 allein auf den Zuwachs bei Krediten für den privaten Wohnungsbau in Höhe von 2,0 Mrd. Euro oder 4,0 % (2021: + 6,1 %) zurück.
Der Gesamtbestand der Kundeneinlagen erhöhte sich um 3,5 Mrd. Euro oder 2,4 % auf 147,5 Mrd. Euro. Allerdings fiel der Zuwachs geringer aus als in den beiden Vorjahren (2021: +4,0 %; 2020: +6,8 %).
Der Zinsüberschuss verzeichnete einen deutlichen Zuwachs von 11,8 % auf insgesamt rund 2,5 Mrd. Euro.
Der Provisionsüberschuss erhöhte sich um 4,4 % auf 1,2 Mrd. Euro.
Die Verwaltungsaufwendungen stiegen mit 2,4 % nur moderat. Der Personalaufwand konnte auf 1,6 Mrd. Euro gesenkt werden. Der Sachaufwand stieg hingegen um 6,8 % auf 1,1 Mrd. Euro an.
Das Betriebsergebnis vor Bewertung stieg um fast 30 % auf rund 1,1 Mrd. Euro. Die Cost-Income-Ratio vor Bewertung – also das Verhältnis von Aufwendungen zu Erträgen – verbesserte sich um fast 5% auf 69,9 %.